Letztens sagte eine Freundin zu mir: „Lies Du für uns, Du hast die Muße. Stell uns Deine Bücher vor und schreib uns Deine Gedanken.“ Ich weiß nicht, ob sie mehr zu tun hat als ich, aber es ist auch egal. Es kommt darauf an, wo man sich die Minuten klaut, in denen man aus der Zeit herausfällt … und liest … und träumt, auf Reisen geht.

Nele Budelmann, „Der König schläft und Manschetten“, Leinen gefüttert mit Stickereien und Applikationen, € 400, Paar € 700, alle Drei € 1.000

Ähnlich heute Morgen, als ich mich darauf vorbereitete, über die „Manschetten“ von Nele Budelmann zu schreiben, verbunden mit der Einladung zur Matinee mit der Künstlerin am kommenden Samstag, den 1.3.2025, ab ca. 11:30 bei Roma e Toska in der Poolstrasse 30, Hamburg-Neustadt.

Nele Budelmann, Manschette No.1, Leinen bemalt und bestickt mit Applikation, 33 x 17 cm (€ 400)

Für eventuelle Nachfragen ist Nele für mich heute früh noch nicht zu erreichen. Wahrscheinlich hat sie sich wieder die Nacht um die Ohren geschlagen, hat geschrieben, diskutiert mit Gleichgesonnenen. Ich muss mich also allein auf „Exkursion“ begeben und tue das, was ich am liebsten tue: Ich recherchiere und lasse mich von einem Stichwort zum anderen leiten.

Manschette No.1, Detail

Dabei sammele ich Bücher und Textpassagen. Manche bestelle ich geschwind, um sie später zu lesen, auf jeden Fall zu besitzen. Zum Beispiel Peter Levi. Im Garten des Lichts. Mit Bruce Chatwin durch Afghanistan. Sie reisten 1969 durch dieses atemberaubende Land, das noch nicht von Krieg und Taliban zerstört war. Eine literarische Reise auf der Suche nach der Seele der Orte.

Manschette No.1, Detail

Ob die Manschetten davon erzählen, diese wattierten Stoffbilder mit Stickereien und Applikationen? John Huston drehte 1975 einen Film in Afghanistan nach einem Buch von Rudyard Kipling: „The Man who would be King“. Ist es der König, zu dem die Manschetten gehören? Weder kenne ich den Film noch Kafiristan (heute Nuristan), aber es weckt meine Fantasie.

Nele Budelmann, Manschette No.2, Leinen bemalt und bestickt mit Perlen, 29 x 17,5 cm (€ 400)

Gab es dort auch Kreuzritter? Wofür stehen die Zeichen auf der Manschette? Wieder einmal habe ich keine Ahnung und assoziiere frei. Irgendwo da draußen wird es gewiss Leser*innen geben, die mehr wissen als ich. Nur zu, füttert mich mit Euren Kenntnissen.

Manschette No.2, Detail

Wenn ich nichts weiß, sind meine Augen noch neugieriger, tasten den Stickereien nach, die das Leinen einfassen und Spuren setzen. Ein Gebirge, dadrunter vielleicht ein See. Menschen, Reiter, Schriftzeichen, Perlen, Grenzlinien oder Schnee auf den Höhenzügen.

Manschette No.2, Detail

Ich stöbere weiter im Internet: Robert Byron, Landsmann von Bruce Chatwin, reiste 1935 zu Pferd und mit dem Auto durch dieses wilde Land. Ich lese über Dervia Murphy, der Irin, die 1963 mit dem Fahrrad durch Afghanistan fuhr, allein.

Nele Budelmann, Manschette No.3, Leinen bemalt und bestickt mit Spiegelsplittern und Perlen, 19,3 x 17 cm (€ 400)

“But it was worth it all to rise gradually … to the still, cold splendor of the snow-line, where the highest peaks of the Hindu Kush crowd the horizon in every direction and one begins to understand why some people believe that gods live on mountain tops.“ (Dervia Murphy, 1965)

Manschette No.3, Detail

Während ich schreibe, vergeht die Zeit. Menschen laufen an meinem Schaufenster vorbei, denken gewiss, dass ich nie schlafe, weil sie mich auch spätabends hier sitzen sehen. Ich bin ganz verloren in der Schönheit der erzählenden Details.

Manschette No.3, Detail

Eine Freundin aus München ruft an: „Wo bist Du, Sylt, Tokio, Australien …?“ – „Noch viel weiter weg“, würde ich am liebsten antworten. Stimmt ja auch. „Nein, ich sitze am Schreibtisch in Hamburg.“ Wenn sie wüsste. Ich war mal eben in den unbekannten Fernen der Kunst, hinter dem Horizont, in einem Land, das es nicht (mehr) gibt. Mehr dazu am kommenden Samstag ab 11.30 Uhr.