Heute wäre die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Sie starb mit 47 Jahren in Rom, der erste “weibliche Popstar in der Literaturgeschichte”, wie es in den Medien heißt, eine hochbegabte Intellektuelle, mit Gedichten und Texten von präziser verstörender Brillanz. Nichts haben sie an Aktualität verloren. “Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar”, Kernsatz aus ihrer Rede vor blinden Kriegsversehrten, 1959. Hatte ich darüber geschrieben? Auf jeden Fall habe ich darüber reflektiert und es in für mich in einem meiner Notizbücher als Direktive notiert.

Überhaupt taucht die Lyrikerin und Schriftstellerin immer wieder bei mir auf. “Undine geht” oder “Erklär mir, Liebe“. Gefühlt bin ich ständig auf ihren Spuren, als wäre sie in dem Dunst, der mich umgibt, mit ihren Worten, die verstehen wollen.

“Ich existiere nur, wenn ich schreibe, wenn ich nicht schreibe, dann bin ich nichts.” (Ingeborg Bachmann)

Vorgestern war die Premiere von Regina Schillings “Ingeborg Bachmann – Jemand, der ich war”. Absolut sehenswert. Ein fesselnden Film aus sorgfältig recherchiertem Archivmaterial, geschickt verknüpft und verdichtet. Man kann den Blick nicht lassen von dieser Frau, mit ihrer Aura der Unberirrbaren. Dazwischen die Schauspielerin Sandra Hüller, die sich ihr nähert, zurücknimmt, ausprobiert, die nötige Ruhe schafft zwischen den historischen Aufnahmen. Wer ist Ingeborg Bachmann? Es geht um “Wahrhaftigkeit”, diesen prozesshaften Begriff, der zur Wahrheit führt. Auch oder gerade deswegen ist sie so wichtig in unserer Zeit der Lügen.

Während des Kultursommers Keitum werden die Literaturwissenschaftlerin Birgit Haustedt und ich über das Werk von Ingeborg Bachmann sprechen: Undine geht. Montag, den 10. August, 17:30 Uhr in der Kapelle auf dem Friedhof in Keitum. Eintritt frei. Wer möchte, meldet sich jetzt schon an. (info@romaetoska.de)

Und wer unser ambitioniertes Projekt mit Gesprächen, Lesungen und Ausstellung in diesem Sommer unterstützen möchte, der melde sich für weitere Details (0172-4313905).