Es gibt viele Begriffe, die den Grenzgang zwischen Kunst und Handwerk benennen, jedes Land besitzt dafür seine Sprach-Nuancen: Kunsthandwerk, applied art, art decoratif, Arts-and-Crafts… Am liebsten möchte ich es als Kunst bezeichnen, was auf einer höheren Ebene den Zweck mit der Form verbindet. Stefan Fink bezeichnet sich als “Handwerks-Künstler”. Es gefällt mir und fügt sich ein in den roten Faden, der sich durch meine Dienstag-Gespräche zieht und zu einem hoffnungsvollen Gegenentwurf wird in unserer atemlosen, technologischen Zeit.

Wo Kunst ist, ist Frieden möglich.

Irgendwo habe ich diesen Satz aufgeschnappt. Er kommt mir spontan in den Sinn, nicht nur weil Weihnachten ist, sondern weil unser letzter Event in diesem Jahr diese besondere Atmosphäre besaß, in der das laute Getöse ausgeklammert wurde zugunsten von Schönheit … und eben “Kunst”. Vertraut sitzen wir beisammen auf dem roten Sofa, obwohl wir uns nur einmal zuvor begegnet sind. Eine schelmische Selbstverständlichkeit umgibt meinen Gast, etwas Geheimnisvolles und eine Lust am Fabulieren.

“Holz kann man nicht betrügen”, sagte er und hält einen Moment inne, damit wir diesen Satz begreifen, bevor er fortfährt. Holz erfordert Geduld und Liebe, es will, dass wir seinen Klang wahrnehmen, seine Schwingungen fühlen. Er kennt sie alle, die hundert Varianten von Palisander, Amaranth, Bubinga, Grenadill, Goldregen, Perückenstrauch oder das zweitausend Jahre alte Moorholz, aus dem die Anfänge Hamburgs sind. Allein diese Aufzählung hört sich schon an wie aus dem Märchen.

Man muss das Wesenhafte des Holzes verstehen, es liebevoll umkreisen, geduldig sein. Holz verzeiht keine Eile, keine Gier, verweigert sich dem schnellen Konsum. Von den ersten Vorarbeiten bis zum fertigen Füller dauert es manchmal zwölf Jahre. In seinem Buch notiert er die Lagerzeiten, horcht, ob es bereit ist für die nächste Arbeitsschritte. All das erfordert einen Menschen, der von Kind auf an gewohnt ist, in seine eigene Fantasie-Welt abzutauchen. So etwas ist mir vertraut, ich entdecke es gerade wieder, allerortens.

Handwerk und Handschrift. Die Federn der Füller werden eigens für Stefan Fink hergestellt. Dann geht es um die Balance des Schreibobjektes, die Oberflächen, die weich und samtig poliert sind, als hätte man Feen-Vlies in der Hand, sie scheinen sich zu immaterialisieren. Und schon fliegen die Buchstaben über das Papier, bilden schwebende Kringel und Schnörkel. Das Schreiben wird wieder zu einem prickelnden Erlebnis, wir entdecken uns selbst.

Stefan und ich haben uns warm geredet, könnten endlos so weiter erzählen, anekdotisch er, neugierig ich. Ab-und-an webe ich meine eigenen Gedanken und Vorhaben mit ein, die Kollektion Encyclopedia, meine hangeschriebenen Notizen, die zahllosen Briefe. Er berichtet von dem jungen Mann, der bei ihm einen Füller kaufte, um damit seiner Freundin zu schreiben. Als die Geliebte den Brief bekam, war sie so berührt, dass sie dem Absender umgehend einen Heiratsantrag stellte. Und was machte die thailändische Prinzessin mit dem Füller? Das erfahren wir ein nächstes Mal.

Das japanisch inspirierte Catering stammt von @foodiroma

Bewusst habe ich in diesem Beitrag alle technischen Details weggelassen, dafür gibt es die Website von Stefan Fink mit dem Film von Donata Wenders, mit Wim Wenders als Kameramann (www.stefanfink.de). Diesmal ging es mir um einem Füller, mit dem man das Fühlen wieder lernt, sich Wort für Wort zurückerobert und dabei genießt, wie Feder und Tinte “Bilder” auf Papier entstehen lassen. Die Poesie der Langsamkeit.

Ich wünsche mir einen Albatros oder einen Kiebitz Taschenfüller von Stefan, vielleicht aus Grenadill oder Goldregen, wie der Baum, der im Garten meiner Großeltern stand. Das Holz wird mir das Warten beibringen, und der Klang wird meine Ideen befügeln. Wünsche sind Träume, die uns das Leben verzaubern, nicht nur zu Weihnachten.

Morgen gibt es natürlich auch noch einen Beitrag an dieser Stelle, das Türchen No.24! Heißa, einmal werden wir noch wach…