Frohe Weihnachten! Ich hoffe Ihr habt es schön, warm und gemütlich, jeder auf seine Weise. Bei uns steht der Tannenbaum, und seine kleine amüsante Geschichte will ich heute erzählen. Eifrige Leser*innen wissen, dass die letzten Wochen mehr als turbulent waren. Roma e Toska im Kapitänshaus in Kampen haben wir aufgelöst, und ich sehe mich noch, wie ich in hohem Bogen im strömenden Regen den Tannenbaum-Fuss in den Sperrmüll-Container schmiss. Brauch ich nicht mehr. Ein Teil weniger in dem Umzug.

Schauplatz Hamburg, neue Räume, die Maler, Kartons, Bilder und Kollektionen verstopfen die Poolstrasse, trotzdem schöne Events. Die Töchter trudelten ein, und am vergangenen Montag kam der LKW mit den kurzfristig eingelagerten Möbel und Kisten von der Insel, hoch in den 4. Stock. Heiligabend? Tannenbaum? Ich glaub, ich kann nicht mehr. Mein Vorschlag: einfach ein Foto von einem Tannenbaum an die Wand kleben, und wer will, guckt von oben auf den funkelnden Lichterbaum vor der Laeiszhalle. Geht doch auch – oder?!

24. Dezember, 13:00 Uhr, ein Anruf von Toska. Sie würde gerade am Großneumarkt mit den Tannenbaum-Verkäufern plaudern, ich solle schnell kommen. Und da stand sie lachend allein mit einem riesigen Gratis-Baum, unten ein Holzkreuz angenagelt, damit man ihn ohne Gestell aufstellen kann. Rundherum lagen weiter Bäume und Tannengrün. Die Jungs hatten ihr alles überlassen und waren in ihren schicken Porsche gesprungen, um eilig davonzudüsen. Wohin? Keine Ahnung. Ein Tannenbaum-Verkaufsstand als Geldwäsche Ort? So wie in Berlin die Blumengeschäfte, wo fünf traurige Sträußlein in Plastikeimer stehen, aber die Summen für was anderes unter dem Tisch gereicht werden? Eine schräge Vorstellung, wäre ein Weihnachts-Plot für Eric, unserer Krimi Autoren.

Ein wenig überrumpelt und trotzdem glücklich verharrten wir vor dem verlassenen Areal, boten Passanten kostenfrei Tannenbäume und Tannengrün an. Nein, sie bräuche nichts, wir könnten sogar ihren Baum haben, ihr wäre nicht nach Weihnachten, antwortete eine Frau. Auch der dicke Kerl, der uns beobachtete, winkte ab, er wollte sich nur vergewissern, ob hier kein Diebstahl passiert. Geschenkt ist geschenkt.

Der Tannenbaum ziert nun stolz unsere Rotunde, als wäre es seine Bestimmung gewesen. Die Kerzen gab’s zum Schnäppchen, weil Budni kurz vor Ladenschluss auf Sylvester umdekoriert hatte. Hey, it’s Christmas! Die Kugeln hatte Jeannine Platz über die Jahre mit unseren Sprüchen beschrieben, das Croissant war ein Geschenk von Alex, manches Gehänge noch aus unserer Harrod’s Zeit. Schöne Erinnerungen.

Zu viert saßen wir abends beisammen am provisorischen Tisch, um ihn herum eine bunt gewürfelte Menagerie von Stühlen. Roma hatte beherzt die letzte Weihnachtsgans gegen 13 polnische Hausfrauen ergattert.

Es duftete nach Weihnachtsbraten, gebackenen Äpfeln, Rotkohl und Kerzen. Ich staune den Tannenbaum an wie ein Zauberwesen, das eine altmodische Geschichte erzählt. Er ist wie ein fehlendes Puzzleteil in dem Wandel der vergangenen Wochen.

O Tannenbaum, O Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, O Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren.