Ihr habt mich inspiriert. Nach meinem gestrigen Beitrag über das “kreative Warten”, bin ich erneut runter ins Atelier und habe eine weitere Schublade hervorgeholt mit einer mindestens genauso ungewöhnlichen Geschichte. Jene von Euch, die Roma e Toska schon lange kennen und begleiten, mögen sie vielleicht schon gehört haben, für all die anderen erzähle ich sie gern noch einmal. Sie führt zurück zu meinen Anfängen, als ich in München auf der Stoffmesse war und niemanden kannte. Aber man findet sich ja bekanntlich. Und so traf ich Frank Budke, der die schönsten Naturknöpfe herstellte, ein großer schlanker älterer Herr.

Unter dem Arm hatte ich wie immer meine Bücher, meine Notizen, schon damals ging es mir um Inhalte, die neu erzählt werden wollten. Neugierig beugte er sich darüber und versuchte zu begreifen, was ich sagen möchte und wie er es mit seinen Knöpfen unterstützen könnte. Form follows content!

Jede Saison freuten wir uns aufeinander, aber irgendwann verkaufte er, fühlte sich zu alt, zu wenig gewertschätzt, ihm würden die Kräfte fehlen für dieses harte Geschäft. Ob er noch lebt? Er wollte lieber auf Reisen gehen, dorthin, wohin ihn die Knöpfe geführt hatten. Zurück blieben die Knöpfe, die er mir in die Hand gedrückt hatte, damit ich sie in der Hosentasche bei mir trage. Nun liegen sie ausgebreitet auf meinen Skizzenbuch. Ich hatte ihm damals davon den gesamten Bestand abgekauft.

Es waren genau diese, die ihn auf die Suche gehen ließen, wer sie produziert haben könnte. Die Spur führte nach Nepal zu einer bemerkenswerten Frau, den Namen habe ich vergessen. Ihren Mann, der sie prügelte und missbrauchte, hatte sie verlassen. Alleinerziehend versuchte sie sich als Ritschka-Läuferin über Wasser zu halten. Dann entdeckte jemand ihre handwerkliche Begabung und zeigte ihr, wie man Knöpfe herstellt. Als Franz Budke sie kennenlernte, gehörte ihr schon die Manufaktur.

Er wurde ihr Kunde und Freund. Ständig trug er diese ersten Knöpfe bei sich. Diese Geschichte gehört ebenfalls in das Thema Encyclopédia, denn schon Diderot und d’Alembert ging es in ihrer Arbeit auch um das Wissen der “Métiers”, des Handwerks.

Betrachte ich diese Knöpfe aus Horn und Perlmutt, faszinieren sie mich wie damals, ihre zeitlose Schönheit, ihre bemerkenswerte Präzision, was besonderes verblüffend ist, da so ein Knopf ja kein Einzelstück ist. Und doch, keiner gleicht dem anderen, alle sind sie verschieden in Wölbung, Größe und Maserung.

Über die Jahre haben sie unangetastet in der Schublade gewartet. Sie ließen sich nicht maschinell anbringen, sondern müssen sorgfältig mit der Hand angenäht werden. Was für ein Glücksfall, nun werden sie zukünftig die Manschetten der Arctic Fauna Blusen zieren.

Mein Favorit ist das Modell mit dem weich fallenden Schalkragen samt Foulard. Der Schnitt, die Crêpe de Chine Seide sowie die Abbildungen von Eisbären, Tordalk, Schneeeule und Grönlandwal im Hintergrund lassen den Geist vergangenen Jahrhunderte wieder aufleben, das Abenteuer und die ersten Expeditionen ins Nordmeer. Für mich ist sie die Erzählerischste der Blusen, zu der die alten Knöpfen ihre eigene Geschichte fügen.

Wieder gilt: Subscribers first! Und die, die es geschwind noch werden wollen. Den Beitrag bestimmt Ihr, die Bluse wird um die € 500 kosten und ist wie auch das Apfelsorten-Modell limitiert. (Die Äpfel sind schon vor Erscheinen so gut wie ausverkauft, so etwas gab es noch nie!) Ich sehe mich damit schon durch die Welt reisen und am Meer entlang spazieren. Welches Meer? Lasst Euch überraschen.

“I want!”

PS: In der kommenden Wochen gibt es keinen IT’S A DIENSTAG und keine erste Stipvisite von “Wednesday upstairs”. Da war ich ein wenig zu voreilig. Noch sind Kartons auszupacken, Bilder zu hängen und Licht zu installieren. Aber ich freue mich auf Eure Besuche in der Poolstrasse für customized Seiden-Modelle Encyclopédia.