Dieses Projekt, dieser Event am kommenden Freitag Upstairs in unserer Wohn-Galerie am Johannes-Brahms-Platz Nr. 9 in Hamburg, besaß von Anfang an eine besondere Dynamik. Erst sollte es letztes Jahr nur ein It’s a Dienstag Talk werden, aber das Buch von Dr. Sabine Weichel-Kickert wurde nicht rechtzeitig fertig. Anschließend zeigte ich ihr unsere neuen Räume, wir schauten uns an: Warum nicht gleich eine Ausstellung zum Buch?! Die Künstlerin Irene Andessner aus Wien sollte dabei sein, allein oder doch besser im Verbund mit anderen? Sabine übernahm die Organisation, wir schoben die Termine. Nun ist es soweit:

INVITATION

FRIDAY UPSTAIRS. THE CONTEMPORARY FAMILY OF MAN

17.4.2026, ab 18:00 Uhr, Talk ab 19:00 Uhr

Im Folgenden lasse ich sie selbst berichten. Alles beginnt mit einer legendären Ausstellung 1955 im Museum of Modern Art in New York und ihrer Zusammenarbeit mit dem Sammler Lutz Teutloff …

THE FAMILY OF MAN, 1955 im MoMA New York eröffnet, zählt zu den meistdiskutierten und besuchten Fotoausstellungen des 20. Jahrhunderts und hat Generationen von Fotograf*innen und Kurator*innen geprägt. Alle Facetten des menschlichen Seins einer weltumfassenden „Menschheitsfamilie“ wurden, kuratiert nach 37 Themen, in einer bis heute beeindruckenden Installation inszeniert.

Die Aufnahme in das UNESCO-Weltdokumentenerbe 2003 unterstreicht die Rolle von THE FAMILY OF MAN als einzigartiges historisches Zeugnis und als Medium der Völkerverständigung, das über politische und kulturelle Grenzen hinausreicht.

Lutz Teutloff war als Sammler von der pazifistischen Ausrichtung von Edward Steichens THE FAMILY OF MAN und deren Visualisierung aller Facetten des menschlichen Seins inspiriert. Ein historischer Katalog war zunächst die einzige Quelle, denn bei seinem ersten Besuch 2010 befand sich die Ausstellung noch in ihrer zweiten Restaurierungsphase.

Erst 2015 konnte der Sammler und ich die Ausstellung auf Schloss Clervaux im Rahmen eines Symposions erleben. Wir erkannten sofort eine verwandte Geisteshaltung und sortierten unsere Bestände nach Kategorien, angelehnt an THE FAMILY OF MAN und ergänzt durch Themen der Zeit, teilweise kontrovers und provokant.

Fasziniert von der Parallelität der visuellen Kraft beider Foto-Sammlungen und von dem Potential der Fotografie als Botschafterin für Völkerverständigung, Menschlichkeit und Frieden, schrieb ich ab 2016 meine Promotion zu diesem Thema. Mir ist dieses Buch ein Herzensanliegen, denn es umfasst meine Tätigkeit als Kuratorin der TEUTLOFF COLLECTION und deren Vermittlung, einen Zeitraum von 1992 bis heute, also von 33 Jahren meines Lebens.“

Drei verschiedene künstlerische Positionen, die ich selbst in die TEUTLOFF COLLECTION einbringen durfte und später an die Steichen Collections, CNA vermitteln konnte, sollen hier punktuell vorgestellt werden: Irene Andessner lotet historische und zukünftige weibliche Rollenmodelle aus. Herbert Döring-Spengler bezieht sich mit seinen Kinderfotos direkt auf Edward Steichen und Volker Hildebrandt untersucht in seiner Bildreihe berühmte Küsse der Filmgeschichte.

Irene Andessner. Ursula K. im Kino.

Irene Andessner ist eine Künstlerin mit österreichischen Wurzeln, geboren in Salzburg, lebt und arbeitet sie in Wien. Als Meisterschülerin von Arnulf Rainer begann sie ihre künstlerische Laufbahn mit Malerei. Immer schon war es das Selbstportrait, was ihr die Möglichkeit bot, in die unterschiedlichsten historischen Persönlichkeiten einzutauchen. Das Medium der Fotografie schließlich erweiterte dieses Rollenspiel. Sie arbeitet dabei wie eine Regisseurin mit einem Team, von Bühnenbildnerinnen, Kostümbildnerinnen, Maskenbildnerinnen bis zum Dramaturgen.

Irene Andessner vertritt in der Hamburger Ausstellung vor allem die weibliche Position der Menschheitsfamilie. Ausgesucht haben wir Arbeiten aus der Serie „Ursula K.“, in der sie den Alltag in der Rolle einer real existierenden Frau inszeniert.

Volker Hildebrandt war es, der mir Irene Andessner seinerzeit in den 1990ern vorstellte. Ich leitete damals eine Galerie in Köln und Volker schaffte es auf Anhieb in das Galerie Programm der damaligen Galerie LUTZ TEUTLOFF MODERN ART in der St. Apernstraße 26. Seine konzeptuelle Arbeitsweise umfasst nicht nur Malerei, sondern lebt auch von seinen scharfsinnigen sprachlichen Gedankenspielen und menschenverbindenden Mitmach-Konzepten, die sich mittlerweile auch global ausbreiten.

Für Hamburg habe ich mit Volker vier Arbeiten aus seiner Serie der berühmten „Filmküsse“ ausgesucht. Ob „Frühstück bei Tiffany“, „Titanic“ oder „ET“, allesamt Ikonen der Liebe. Es geht eigentlich immer um die Liebe, eine Liebe zwischen zwei Menschen, aber auch um die Liebe der gesamten globalen Menschheitsfamilie, denn wahrscheinlich ist es die einzige Chance für die Menschheit, auch in Zukunft zu überleben. Und so sind wir wieder bei THE FAMILY OF MAN.

Herbert Döring-Spengler schließlich ist der Dritte im Bunde. Er zeigt uns die Menschheitsfamilie aus der Sicht des Kindes. Seine Bilder spiegeln Erfahrungen, die er selbst gemacht hat als Kind, aufgewachsen in einem Internat. Die Kinderportraits nehmen direkten Bezug zu Edward Steichens Auswahl, u.a. von Dorothea Lange, der „Verlorenen Kinder“ in THE FAMILY OF MAN.

Sabine Weichel-Kickert und ich bei einem It’s a Dienstag vor Weihnachten.

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend am kommenden FRIDAY UPSTAIRS, Johannes-Brahms-Platz 9 in Hamburg. Voranmeldungen unter: info@romaetoska.de