Wahrscheinlich wiederhole ich mich, habe schon früher über dieses Buch “Housekeeping” geschrieben, an das ich mich so überdeutlich erinnere ohne zu wissen, wie der genaue Titel lautete, und wer die Autorin ist. Ich las es vor Jahr(zehnt)en in den USA als junge Stipendiatin, krank vor Heimweh und Ängsten, das Studium nicht zu packen, einsam verbarrikadiert in meiner kleinen Wohnung. Ich spüre noch heute, wie schwer mir sogar das Atmen fiel. Und dann fing ich an zu putzen und zu räumen, suchte für das Wenige neue Plätze und schuf meine beschaulichen Stillleben, bis sich ein heimliches Fünkchen Glück einstellte.

Toska kehrte gestern zurück nach Paris, Roma kocht auf Juist, Krzysztof im Himmel und ich allein Zuhaus. Wie betäubt lag ich auf dem Bett. Es flossen Tränen, diese Einsamkeitstränen, zurückgelassen zu sein. Die Freundin von oben klingelte an der Tür, ich könne jederzeit zu ihr raufkommen. Nein, ich muss mir die Wohnung aneignen, mich in den Räumen aushalten. Und so fing ich an zu saugen und zu wischen, nahm jedes Teil in die Hand, schob es manchmal nur ein paar Zentimeter weiter, um ihm einen präzisen Ort zuzuweisen.

Nanhee Kim, Knock. Please?, Öl auf Leinwand.
Bonnie legte sich genüsslich zwischen die Kunst. Living with Art! Der Blumenstrauß welkte pitoresk vor sich hin. Ich mag so etwas, fühle die Umarmungen von Vivi, Andrea und Elke, als sie ihn mir überreichten. Alle drei haben auch ihre Männer verloren, sie wissen, wie es langsam zurück ins Leben geht.

Toskas Muschel Skulptur bekommt einen anderen Sockel und wandert um eine Wandlänge nach rechts. Ich prüfe die Sichtachsen. So ist es besser, so ist es gut. Ich merke, wie das Zutrauen wächst, in meine dritte Haut hineinzuwachsen.

Toska Tyszkiewicz, Menstruation, Muscheln und Kerzenwachs, 2025
Bonnie liegt immer noch entspannt auf dem pinkfarbenen Sofa, möglichst weit von dem Staubsauger-Gebrumme entfernt. Ich probiere die Position von dem orangenen Sitzobjekt. Es ist von Robeto Matta aus den siebziger Jahren New York. Meine Eltern hatten uns damals Geld gegeben für ein Sofa, als mein Mann und ich gerade zusammenziehen wollten.

Wir fanden so etwas total spießig und kauften stattdessen diese fünfteilige Skulptur, die man zu einem Puzzle zusammenschieben kann. Dominant prägte sie fortan all unseren Wohnungen (außer auf Sylt). Hier in der Rotunde sieht sie am schönsten aus, finde ich.


Regungslos verharre ich, tauche ein in die Erinnerungen und halte darüber die Zeit an, könnte ewig durch die Fenster in das hellblaue Außen schauen bis das Licht langsam verschwindet und neue Farben schafft.

Wie ein Geschenk geht die Sonne rot am Horizont unter. Ich mache mir die Reste von Toskas Essen warm. Nachrichten von den Töchtern. Wir witzeln, weil ich nicht kochen kann. Sie wollen wissen, wie ich zurechtkomme.

Ich komm schon klar, grübele über meinen Traum von gestern Nacht mit dem riesigen querstehenden LKW. Last-wagen. Er macht mir keine Angst mehr. Mein Kopf scheint oben, die Füße auf dem Boden. Bin stolz auf mein Housekeeping in dieser heimeligen Wohnung, in der jedes Strück von uns als Paar und uns als Familie erzählt.


Am kommenden Freitag gibt es den nächsten Event: “The Contemporary Family of Man”. Irgendwo in den Regalen soll sich noch ein Katalog von der legendären Ausstellung 1955 in MoMa verstecken. Ich freu mich auf Euch zusammen mit Sabine Weichel-Kickert und den Künstler*innen FRIDAY UPSTAIRS.
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APFEL BASIC BLUSE SPEZIAL, MULTI
€598,00 inkl. Mwst. -
PERGAMENT-APFEL-ROCK VAR.2, MULTI
€798,00 inkl. Mwst.




Liebe Birgit,
ich sah Deine Wohnung noch im leeren Zustand, als der Maler gerade am Werke war, die Zimmer in den ausgesuchten Kreide-Farben von Anna von Mangoldt auszumalen.
Alles noch leer. Bereit, Dich, Deine Familie und Dein ganzes Leben reinzulassen.
Heute sieht es, nach deinem HOUSEKEEPING doch ganz anders aus.
Angefüllt mit Wissen, Büchern und Objekten, die von diesem reichen Leben erzählen.
Hoffentlich finden wir da noch Platz für die ganzen Kunstwerke, die ich am Donnerstag mitbringen werde für unsere Buchvorstellung mit Ausstellung zur “Contemporary Family of Man”.
Ich freue mich auf Dich, unsere gemeinsame Performance und unsere Gäste.
Sehr herzlich,
Deine Sabine
Natürlich gibt es noch Platz und weiteren, den ich ab Mittwoch schaffen werde. Wartet es ab, freue mich auf viele Besucher*innen. Es wird spannend. Morgen treffen die Arbeiten von Irene Andessner aus Wien ein. Birgit