Insgeheim habe ich das Gefühl, schon einmal gelebt zu haben (oder gleich viele Male). In der Zeitreise führt es mich regelmäßig zurück in das 18. Jahrhundert, in die Epoche der Aufklärung mit den Enzyclopädisten Diderot und d’Alembert, zum Vorabend der Revolution, den Salons, den bedeutenden Frauen, die man langsam wiederentdeckt. Es ist eine Mischung aus Sturm und Drang mit einer Portion Romantik. Schon bin ich bei Fragonard und der Schaukel, denn das dekadente Rokoko gehört unbedingt zu meinem träumerischen Puzzle dazu.

Die neuen Räume in Hamburg, oben im 4. Stock mit dem Blick auf die Laeiszhalle atmen diesen Geist, die pudrigen Farben von Anna von Mangoldt, der Stuck an den Decken sowie die Abfolgen (Enfilade) der Zimmer. Seit gestern scheint es, als würde Marie Antoinettes Chandelier dort hängen: “Frosted Glory”.


Babette und ihr Assistent Marcel kamen den ganzen Weg von Behrenwalde in Mecklenburg-Vorpommern durch das Schneegestöber angereist. Im Mini-Van verstaut die Objekte von Magpie Art Collective aus Südafrika. Sie gehören zur kommenden Ausstellung am 11. Februar “Wednesday upstairs”.


Während die Beiden aufbauen, gebe ich mich ganz diesem Sinnesrausch hin: Die mit weißer Farbe besprühten Blüten und Blätter, die sich um die ausladenden Arme des Leuchters ranken. Was sich nicht alles darin versteckt, gesammeltes Strandgut, Weggeworfenes, das eine neue Bedeutung erhält, fabulös schickt es das Auge auf Entdeckungsreise.

Im Nu scheint alles wie verwandelt, den Raum, die Atmosphäre, es ist wirklich eine Melange geworden, in dem scheinbar nichts zueinander passt und doch …

Aber es funktioniert, für mich jedenfalls, als würde die aristorkatische Gartenlaube mit dem Wissen des Bücherregals kokettieren, begleitet von der Sitzlandschaft von Roberto Matta aus dem New York der 1970er Jahre. Wie selbstverständlich schummelt sich dazwischen der schwedische Fauteuil aus der späten 18. Jahrhundert. Es erinnert mich an Sofia Coppolas filmische Epos “Marie Antoinette” aus dem Jahr 2006.

Seien wir doch mal ein wenig experimentell, erlauben uns, was gefällt. Puritanismus hat noch nie zum Erblühen der Künste geführt. Selbst das “Less is more” entstand aus einer geistigen Fülle heraus. Und im Vertrauen, Mies van der Rohe kombinierte privat auch alles miteinander und saß am liebsten in seinem altmodischen Schaukelstuhl.


Früher wurde ich immer gefragt, was für einen Wohnstil ich habe. Dann zuckte ich mit den Achseln, dachte an die Herkunft und Sammelleidenschaft meines Mannes und meine unsortierte Neugierde: Ekklektisch! – Heißt, alles geht zusammen, es muss nur gut sein und Charakter besitzen.

Magpie Art Collective, Frosted Glory. 160 x 180 cm. Blütenketten, alte Eisendekorelemente, Fund- und Erinnerungstücke (€ 3.900)
Nun hat mich mein Schreiben wieder ganz wo anders hingeführt, als ich ursprünglich wollte. Es sollte den Valentine’s Tag einläuten. Lasst mich geschwind den Schlenker machen: die Blumen, die Poesie der Ranken, versteckte Geschenke, eine Reise durch Zeit und Raum.


Und schon sind wir bei den Pilzen, Äpfeln, der arktischen Fauna und zurück in 18. Jahrhundert bei Madame de Pompadour, die die Encyclopédie erst möglich machte. Valentine’s Gutschein (Code: HAPF8A99, einfügen oder bei Überweisung € 50 von der Rechnung abziehen.)
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SCHLUPPEN BLUSE, PILZE MULTI
€598,00 inkl. Mwst. -
GROSSES APFELSORTEN TUCH, MULTI
€249,00 inkl. Mwst.



