Verlage gibt es viele, und Bücher aller Gattungen überschwemmen jedes Jahr den Markt. Ein schnellwachsender neuer Bereich ist das Self-Publishing, noch mehr Bücher. Wer soll das alles lesen? Ist es nicht ein wenig wie “fast fashion”, brauchen wir all das? Wie so oft in meinen Dienstag-Gesprächen suche ich mir Gäste, die als Lebensphilosophie die Verlangsamung gewählt haben zugunsten von Qualität und Leidenschaft. Diesmal ist es Dr. Josef Kleinheinrich aus Münster. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaften und Skandinavistik, spricht fließend Dänisch und feiert nächstes Jahr sein 40. Verlagsjubiläum.

Ob er es noch einmal so machen würde, könnte er alles auf Neubeginn schalten, frage ich ihn. Fast wirkt es, als würde man ein leises Stöhnen von seiner Seite vernehmen. Wenn er gewusst hätte, wie schwer es ist und vor allem wie schwer es geworden ist in den letzten Jahren, er weiß nicht recht. Einer seiner geliebten Buchbinder hört zum Ende des Jahres auf, es lohnt sich für ihn nicht mehr. Trotz guter Aufträge bliebe nichts übrig.

Am liebsten hätte ich jetzt Josefs Hand ergriffen und lauthals behauptet, er würde es genauso wieder machen, weil es wichtig ist, etwas zu schaffen und zu hinterlassen, wie es ihm gelungen ist. Mutig hat er sich vor allem um die skandinavische Poesie gekümmert. Inger Christensen mit ihrem Schöpfungs-Alphabet, das Kompendium von Lyrik aus ihrem Nachlass. Jon Fosse, Nobelpreisträger, die Künstlerbücher mit Bernd Koberling, Markus Lüpertz oder Cy Twombly in Kooperation mit der Nachlass-Gesellschaft in New York.

Das Catering hat Roma übernommen. @foodiroma
Diese bibliophilen Werke befinden sich jetzt mit Signaturen und Widmungen versehen im Kolumba Museum in Köln. Auch das macht ein schöpferisches Leben aus, auf das man stolz sein darf, das Respekt verlangt, das einzigartig ist.


Ich glaube, jeder in der Runde spürt, die besondere Persönlichkeit dieses schlanken, zarten Mannes. “Schöngeist” habe ich im Titel geschrieben. “Bel Esprit” heißt es in den französischen Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts, jemand mit Stil, mit ausgewähltem Geschmack, den ein ästhetisches Verlangen antreibt. Josef Kleinheinrich spricht davon, wie Bücher duften, vorsichtig schlägt er die Erstausgaben ein in weißes Leinen. Bücher sind für ihn nicht nur ein inhaltliches, sondern auch ein sinnliches Erlebnis.

Unter den Begriffserklärung zu “Schöngeist” steht der Begriff “Schöne Seele”, auch das trifft für meinen Gast zu, seine Zugewandtheit, er wird nicht müde zu zeigen und zu erzählen Koberling, der auf Island draußen malt, die Gedichtvorlagen neben sich liegend,von Lüpertz, der sich als schlichtem alten Mann bezeichnet, nur gut gekleidet. Bescheiden sind die Guten oder richtiger, bescheiden sind die Besten unter ihnen.

Deutlich spüre ich jedoch seine Melancholie an diesem Abend und auch am nächsten Morgen, als wir uns kurz zum Abschied sehen. Ach, könnte es nur leichter sein, einfach den eigenen Fähigkeiten folgen, dem handwerklichen Können und der Kreativität. Die Zeiten sind nicht mehr dafür gemacht. Umso mehr gilt es, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Ich kann nur wiederholen, was ich als Untertitel für die zukünftige Kollektion Encyclopedia gewählt habe: “Mit alten Kulturwerkzeugen die Menschlichkeit zurückerobern.”

Dr. Sabine Weichel-Kickert wird im nächsten Jahr mein Talkgast sein, wenn es um die “Family of Man” geht.
Warum sollte Inger Christensens alfabet/alphabet nicht unter dem Weihnachtsbaum liegen. Mit der nächsten Bestellung ab € 300 werden wir ein Exemplar dazulegen. Vergesst nicht unsere Weihnachts-Matinee am Sonntag (21.12.2025), auch hier setzt sich das Thema fort: das vom Aussterben bedrohte Drechslerhandwerk, der Wert von Handarbeit und Handschrift. Stefan Fink und seine Füller – Objekte und Geschenke für ein Leben lang! Für das Catering ist wie an diesem Abend meine Tochter Roma verantwortlich. (Voranmeldung unter info@romaetoska.de, Eintritt frei.)


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DELFTER BASIC BLUSE, MULTI
€498,00 inkl. Mwst.


Ich meine natürlich Josef mit F!
Liebe Birgit,
ganz herzlichen Dank für Deine Gastfreundschaft, es war ein überbordender, kreativer Austausch, prickelnd und überschäumend vor Ideen, wie zu schnell eingegossener Champagner!
Die Erstbegegnung mit Deiner Hamburger Wirkungsstätte, mit den großartigen Menschen um Dich herum, mit Roma, Anne und Deinen Gästen, Deinem beeindruckenden Gast, dem Verleger Dr. Joseph Kleinheinrich, den ich sicherlich in Münster mal besuchen werde. Ich konnte die mir vertraute und sehr entgegenkommende Geisteshaltung spüren, die diesen besonderen kunst- und kulturübergreifenden Ort beseelt und alles belebt mit einer Qualität der Begegnung und des Austausches, die man noch selten findet und um so mehr zu schätzen weiß.
Um so mehr freue ich mich auf unsere gemeinsamen Unternehmungen in naher und weiterer Zukunft. Ich habe heute schon drei Zusagen für künstlerische Beteiligungen erhalten….
Und wieder hast Du es geschafft, dass ich vor meiner Arbeit zuerst Deinen Blog lese und reflektiere, es macht mir einfach einen riesigen Spaß!
Sehr herzlich grüßt
Sabine