Dieses Zitat stammt aus dem Magazin „Brand eins“ und schwebte als Motto über unserem IT’S A DIENSTAG. Schlicht und einfach ausgedrückt: Sich „in person“ treffen, ist nachhaltig. Begegnungen werden wieder wichtig (und waren es immer), der Austausch, das kritische und engagierte Miteinander. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass es am gestrigen Abend ungewöhnlich temperamentvoll zuging. Es wurde geredet, diskutiert, und einmal musste ich sogar lauthals lachend Einhalt gebieten, da alle gleichzeitig redeten, hitzig, leidenschaftlich, aber (!) nicht aggressiv. So muss der Diskurs laufen. An meiner Seite Sonja Praxl, Juristin, Journalistin, Medienexpertin.

Wir plaudern uns zunächst durch ihren Lebenslauf und setzen Markierungen bei Stichworten, die wichtig wurden für ihre Entwicklung und ihre Ideen heute. Punkt 1: Keine Angst vor Entscheidungen, neue Weichen stellen, auch wenn es prinzipiell gut läuft. Nach dem Jura-Studium wechselte sie ins Verlagswesen, arbeitete als Assistentin der Verlagsleitung beim Handelsblatt. Ein gut bezahlter öder Job, musste sie sich schon bald eingestehen.

Dann sah sie im Fernsehen Sandra Maischberger, damals noch mit ihren täglichen Talks aus winzigem Studio. Genau das war es: Menschen und ihre Geschichten. Sie bewarb sich um ein Voluntariat bei „Vorsicht Friedman“, wechselte dann zu Johannes B. Kerner und übernahm anschließlich die Redaktionsleitung bei Markus Lanz.

Dreimal die Woche auf Sendung gehen, Talkgäste aus den unterschiedlichsten Bereichen suchen, Vorgespräche, dazu ein Moderator, der, damals noch auf der Suche nach seinem Profil war. Hier der nächste Punkt: Lernen zuzuhören, Fakten sammeln, die Essenz einer Person und ihrer Story erfassen.

Stress pur, ständig auf Tagesaktuelles reagieren, Gäste einladen und wieder ausladen, in Eile einen neuen Ablauf gestalten. Was will der Zuschauer sehen und hören? Schon sind wir beim nächsten Marker: In die Zeit hineinhorchen. Welche Dinge sind relevant, welche werden nebensächlich?

Im Anschluss machte sie sich selbstständig, produziert seitdem Autorenporträts und berät mit ihrer Agentur „Rolle vorwärts“ Unternehmen und Einzelpersonen, wie sie sich kommunikativ besser aufstellen können. Wir sind dort angelangt, wohin sich dieser Abend bewegen sollte: Wie kann ich das „Wir-als-Gesellschaft“ wörtlich nehmen? Wie kommen wir ins Handeln, raus aus der Schockstarre angesichts eines verstörend-übermächtigen Weltgeschehens.

Zuhören, Fragen stellen und gute Geschichten in die Welt bringen. „In Zeiten des Wandels bilden wir Banden“, so Sonjas Antwort darauf. Meine Losing hatte ich schon kurz zuvor ausgegeben: „Lasst uns eine Gang gründen!“ Die begrifflichen Nuancen liegen in den charakterlichen Unterschieden begründet, aber wir meinen das Gleiche: Ausschau halten nach Gleichgesonnenen, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, um gemeinsam wirksam zu werden.

Alles fängt mal klein an. Nehmen wir das Beispiel Fridays for Future. Erst trafen sich nur ein paar Schüler*innen, daraus wurde eine riesige Bewegung, die unser Bewusstsein verändert hat. Oder denken wir an die Omas gegen Rechts, wer hätte sie noch vor kurzem auf dem Schirm gehabt.

Aber Gemach, es darf auch im Privaten bleiben. Denken wir an unseren Garten, den wir bestellen sollen (Candide, Voltaire). Nur starten müssen wir, aufstehen für ein besseres Miteinander. Dafür suchen wir Verbündete.

Jeder besitzt seinen Platz und ist für etwas gut, die einen beraten, die andere handeln und wieder andere sammeln dafür das nötige Geld. Es beginnt bei uns und unseren Stärken. Das ist die Idee der „Bande“ oder der „Gang“. Erinnerung wir uns an unsere Kindheit. Ich hatte meine Gang. Einigen Mädchen aus der Klasse wurde von ihren Eltern verboten, mit mir zu spielen. Hätten sie ruhig machen sollen, wäre nicht zu ihrem Schaden gewesen.

Es war ein ungewöhnlicher Dienstag, den ich sehr genossen habe, weil man spüren konnte, wie überall dieser Wille und diese Energie zutage kam, etwas zu verändern zum Wohle aller, über die Grenzen von politischer Zugehörigkeit hinaus. Danke Sonja!

Peter Høoeg schrieb „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“

Je länger ich darüber nachdenke, sind wir schon eine „Gang“ oder eine „Bande“, wir bilden schon „Ketten von Menschen“. Wer noch fehlt, den müssen wir nur noch finden und einsammeln.