Warum studiert jemand Philosophie? Meine erste Frage an meinen Talkgast Yannic Vitz ist provokant. Sie wurde mir andauernd gestellt, seit ich mich 1980 an der Philosophischen Fakultät einschrieb, meine Töchter mussten sie ertragen während ihrer Zeit an der Uni. Ich höre den abschätzigen Unterton, der darin steckt. Kann man mit so einem Studium Geld verdienen? Unsere Gesellschaft verknüpft seit jeher Talent und Leistung mit der Fähigkeit, Geld zu machen. Es ist die gängige Erfolgsformel, die uns dorthin gebracht hat, wo wir stehen, und zu einer jungen Generation, die diesen Zustand der Welt in Zweifel zieht und verändern möchte.

Er habe Philosophie studiert, um sich Fragen zu stellen, so Yannic, der kaum älter ist als meine Töchter und schon eine erstaunliche Vita aufweisen kann: Studium der Philosophie, Wirtschaftsgeschichte und Public Policy in Berlin, London, Madrid und Göttingen. Promotion über „Leistungsgerechtigkeit und moralische Ungleichheit“, Lehrauftrag an der Harvard University, Buchautor, Essayist im Feuilleton der ZEIT.


Die Literaturwissenschaftlerin und Buchautorin Birgit Haustedt macht sich Notizen.
Unser Gespräch ist anspruchsvoll, das Publikum hochkarätig, ich muss mich konzentrieren. Wie schaffen wir Klarheit in den Begriffen? Was ist Leistung überhaupt? Selbst für meinen Gast ist es schwer zu definieren, obwohl er sich schon mehrere Jahre damit wissenschaftlich auseinandersetzt: eine Fähigkeit, ein Verdienst, der entsprechend be- und entlohnt werden will und soll.

Damit wären wir doch bei dem berühmten Gleichnis von Martin Luther King und dem Straßenfeger, der danach streben sollte, der Beste aller Straßenfeger zu sein. Es gäbe kein “unten”und “oben”, der Verdienst würde über alle sozialen Schichten hinweg auf Talent, Fähigkeit und Engagement basieren.

Erst jetzt bei Schreiben fällt mir die in London lebende Juristin und Köchin Asma Kahn ein (Literatur: “Darjeeling Express”), in deren Küche alle gleich bezahlt werden, egal ob Chef-Köchin oder Tellerwäscher, denn jeder besitzt eine wichtige Funktion in dem Ganzen.

Für das Catering war meine Tochter Roma verantwortlich. Sie studierte Glaubens-Philosophie.
Wir sprechen über den universitären Betrieb, die Ausbildung zu Eliten, die meist schon aus den Eliten stammen. Für Yannic steckt darin keine Kritik, sondern nur die Notwendigkeit, aus der Bubble des privaten Karrieredenkens zu einer umfassenden gesellschaftlichen Verantwortung zu gelangen. Weich formuliert er es, wo ich mehr Schärfe erwarten würde, mehr Agitation, die Freiheit auf den Barrikaden.

Aber das ist nicht Seins, für ihn ist der breite Diskurs wichtig, alle mitnehmen oder so viele wie möglich, um den “moral value shift” zum Erfolg zu bringen, über den allerorten gesprochen wird. Vielleicht ist es gerade die Philosophie, die dafür die Moderation übernehmen sollte. Ich finde ja!

Zum 4. Jahrestag der Russischen Invasion trage ich das Vyshyvanka Hemd aus der Ukraine. Weitere Blusen für € 50 in der Poolstrasse 30.
Ich werfe noch das Stichwort “Glück” mit in die Debatte. Manche wollen es als “Zufall” definieren, was eine Leistung zum Erfolg bringen kann. Oder wie Julia so treffend zitierte: “Chance favors the prepared mind”.
-
KLEINES APFELSORTEN TUCH, MULTI
€129,00 inkl. Mwst. -
APFEL BASIC BLUSE STANDARD, MULTI
€498,00 inkl. Mwst.



