Die Herausforderung war groß: Ein Raum vollgestopft mit Möbeln und mehr als 40 Kartons. Zu leeren bis zum 2. März! Ein Countdown von wenigen Tagen. Trotzdem fand ich immer wieder Ausflüchte, warum nicht heute beginnen, sondern morgen, geht doch auch noch, schließlich hat die Müllerstochter in Rumpelstilzchen eine ganze Kammer Stroh in einer einzigen Nacht zu Gold versponnen.

Geschafft, gestern um 9:00 Uhr war das Kontor für junge Kunst mit Blick auf das andere Kontor (Brahms) geräumt und wartete auf Kunst und Künstlerin: Nanhee Kim und die Malerei.

Ich liebe das Hängen von Bildern, es ist aufregend. Leere Räume werden zum Chambre d’Amis, wie es einst Jan Hoet, der Direktor der documenta 9, in den Bürgerhäusern in Antwerpen veranstaltete. Alles verändert sich!

Nanhee Kim, Knock, Please (2024)

Nanhee aus Südkorea, absolvierte 2022 die Masterclass bei Anselm Reyle an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, anschließend erste Ausstellungen in Tawain, London, den Niederlanden und USA. Aber jedes Mal ist es wieder neu, muss man sich einlassen auf die Situation. Sie und ich packen die großformatigen Arbeiten aus. An die Wand gelehnt scheinen sie den Raum zu sprengen. Stumm sitzen wir da und lassen die Bilder auf uns wirken. Mächtig sind sie, wir beiden denken für uns: “zu mächtig” – oder?

Wir stellen um und schieben nach rechts und wieder zurück. Kunst hat mit Präzision zu tun, was darf eng beeinander sein, was braucht Platz um sich herum, was konkurriert miteinander und stört sich gar? Es dauert nicht lange und wir haben es. Die große Arbeit “Knock, Please?” bekommt die Wand für sich, hängt in der Sichtachse der Räume.

Links davon auf der langen Seite gegenüber den Fenstern hängen die zwei hochformatigen Malereien. Sie korrespondieren miteinander, dürfen ganz nah beinander sein. “Objects in mirrow are closer than they appear” (2025) und “Appetite” (2024). Nun beginnt sich alles zu verändern. Noch ein paar Zentimeter nach rechts, dann stimmt es. Ich bin begeistert, kann mich nicht sattsehen.

Zwischen die Fenster mit dem Blick auf die Gerichte und Planten un Blomen kommt das kleine Bild “Boredom”, verstörend fesselt es den Blick. Was ist das los? Wir werden es besprechen, morgen Wednesday upstairs ab 18:00 Uhr (Johannes-Brahms-Platz 9, 4. Stock).

Es wird einen Talk geben mit der Betrachtung von außen, des Zuschauers, des Kunstkritikers. Karen Michels und ich wenden das Rüstzeug der Kunstgeschichte an: Wie nähert man sich einem Bild-Objekt? Unsere Sehgewohnten, Qualitätsmerkmale, dem Unbekannten auf der Spur. Darauf folgt das Gespräch mit der Künstlerin mit der Innenschau: was ist ihr Hintergrund, das Studium, der Kunstmarkt. Ist diese Art von Malerei eine Antwort auf unsere Zeit?

Heute früh um 6:00 Uhr.

Wer will, meldet sich schnell noch an: info@romaetoska.de oder 0172-4313905. Ich freue mich schon sehr auf den Abend und verweile inzwischen wie beiläufig vor den Bildern, begegne ihnen bei Sonnenschein, beim Licht der Deckenlampe, im Dunkeln, wenn es morgens hell wird. Im Zwiegespräch. Living with Art!