Man kann die Rau(h)nächte mit oder ohne “h” schreiben, ethymologisch leiten sie sich ab von “rau” = “wild”, “stürmisch” oder von “Rauch” und “räuchern”. Es sind jene zwölf Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar, in der die Zeit stillzustehen scheint, in der es eine mysthische Durchlässigkeit gibt in eine andere Realität, eine geheimnisvolle Schwelle zwischen dem Vergangenen und dem Neuem.


Der Mond steht voll am Himmel, Wolken schieben sich immer wieder davor. Vögel gleiten an meinem Fenster vorbei, einzeln oder in ganzen Schwärmen, es sieht beinahe surrealistisch aus. Unter mir das Treiben auf der Kreuzung, Busse biegen nach links und rechts, Richtung Hafen, Richtung Alster, geradeaus zum Rathausmarkt, die Nummer 12, die 115, die 3 … Autos halten an der Ampel, eine Uhr zeigt mir, wieviel Zeit ich noch zum Schreiben habe. Ich ziehe die Decke enger um mich.


Manche notieren jeden Tag ihre Wünsche, wie ein Tagebuch, als wäre es eine Glaskugelschau. Wenig konkret sollten sie sein, nicht aus einem Mangel heraus formuliert. Was gar nicht so einfach ist, man muss erst die Gegenwart loslassen, bevor man sich traumwandlerisch in die Zukunft schreibt.


Unikatschal aus Delfter Seidentwill und Rautentüll, extra lang €€298)
Täglich erreichten mich in dieser Zeit Nachrichten und Fotos von Sylt, das sich in eine Winter-Zauberlandschaft hüllt. Auch dort hängt genau wie bei mir der Mond als große Kugel am Himmel, nur sind es die Dünen-Landschaft und das Meer, hier dagegen Planten un Blomen, der Gerichtspalast und die Kreuzung mit den Spuren in alle Himmelsrichtungen.

Es ist mir nicht gelungen, jeden Tag etwas zu notieren, zu sehr stand ich unter dem Druck, dass alles gelingen möge, die Möbel rechtzeitig aus dem Niebüll Lager kommen, die Kartons sich leeren, der Tannenbaum, die Töchter und der Ehemann, Weihnachten, Sylvester, Bilder an den Wänden, die Poolstrasse mit ihren besonderen Begegnungen, die neue Kollektion.


Bild oben: Kazuko Okano, Mixmedia, gerahmt (€ 2.400)
Ständig war es ein Wechsel zwischen dem, was ich dringlich will, und dem, was ich einfach geschehen lassen muss. Eine Suche nach Zuversicht und – jawohl: Gottvertrauen. Es dauerte bis zum vorletzten Tag der Rauhnächte, dass ich endlich aufschreiben konnte, was ich mir wünsche, tief aus meinem Inneren, dort wo es frei und mutig ist, gelöst von den Zwängen des Alltags.


Am Ende stand auf meiner Seite ganz unten: “mit sanfter Leidenschaft”. Scheinbar ein Widerspruch, verbindet man doch mit “Leidenschaft” eher Begriffe von “wild” und “unbeirrbar”, “glühend” und “entfesselt”. Nein, so soll es nicht sein, eher wie ein Streicheln, ein Lächeln, das Euch alle mitnimmt, wie eine Melodie, die man summt, ohne genau zu wissen, woher sie stammt, eingeflüstert aus einem fernen Reich der Fantasie.


Mir gefällt die Geschichte der drei Heiligen Könige, wie sie sich aufmachten, mit Geschenken, wie ihnen die Sterne und die Hirten den Weg wiesen. Mit diesen reichen Bildern im Kopf beende ich meine Rauhnächte.
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FIFTIES RAUTEN-TÜLLROCK, SCHWARZ
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