Schmunzelnd spüre ich ihre Sorge: Wird genügend Platz sein für all die Kunst, die sie mitgebracht hat? Die Roma e Toska Gallery am Johannes-Brahms-Platz 9 hat sich in den letzten Wochen gefüllt. Privates und “Öffentliches” mischen sich. Ich hatte darüber geschrieben, ein “Living with Art”, das sich permanent wandelt. Nun geht es um die “Menschheitsfamilie”, wie sie Edward Steichen in seiner legendären Foto-Ausstellung 1955 in Museum of Modern Art erstmals zusammenstellte und wie sie durch die Teutloff Sammlung fortgesetzt wurde.

Mehr als 10 Millionen Besucher hatte die auf Tournee gegangene Steichen-Schau weltweit, über fünf Millionen verkaufte Kataloge. Einer liegt vor mir, zerfleddert und viel kleiner als ich dachte, ein berührendes Dokument.

Sabine Weichel-Kickert hat darüber ihre Doktorarbeit geschrieben und seit 1993 in Köln die Teutloff Galerie geführt und dessen Sammlung mit aufgebaut. Ziel war es, den ursprünglichen Gedanken weiter zu verfolgen: “mit dem Medium der Fotografie die Menschheit erklären”. Also, ist dafür genügend Platz?!

Beginnen wir mit dem Flur und den Arbeiten von Irene Andessner. Die erste Fotografie 100 x 100 cm hängt, die zweite gleich daneben. Mag sein, wir haben unser Zeitgefühl verloren, es wirkt, als würden nur Minuten vergehen und schon ist aus dem Flur eine Galerie geworden, in der eindringlich ein Leben erzählt wird, fiktiv oder real, ein Tag der Ursula K.

Ich bin begeistert, was für ein Kraft von den Bildern ausgeht, und wie jeder Ecke der Wohnung neue Ein- und Ausblicke liefert.

Weiter geht es. Wir haben noch eine Menge vor uns. Die Kuss-Bilder von Volker Hildebrandt aus Köln kommen ins “Ess-Zimmer”, das nun ein Galerie-Ess-Zimmer ist. Wir diskutieren die Höhe, wie puristisch das Umfeld bleiben muss. Welche Arbeiten schaffen zusammen einen neuen Kontext. Einvernehmlich ist es zwischen uns.

Ich liebe diese Transformationen, wenn sich die Grenzen in einer Wohnung verschieben, eben war es noch der Ort, wo Toska und ich gemeinsam abends saßen und Gedanken austauschten. Nun ist etwas Neues hinzugekommen, das das Vorangegangene mitschwingen lässt. Wohngalerie.

Hat es nicht auch mit “Menschsein” zu tun? Ist diese Form der Ausstellung nicht genau das, was ich in Kunst und Leben suche? Es gehört zusammen und wird eins!

Wo zeigen wir die Drucke der Kinderbilder von Herbert Döring-Spengler, ebenfalls aus Köln, der den engsten Bezug zu Edward Steichens Ausstellung herstellt? Nehmen wir das Gäste-“Hotel”-Zimmer mit dem Bett von Nele Budelmanns Großvater und ihrem Überwurf. Der Raum wird zur Installation.

Im Gang die Fotos meiner Töchter, ihren Freundinnen und den Anfängen von Roma e Toska, eine glückliche Kindheit. Der Künstler zeigt Kinder im Krieg mit einer geraubten Kindheit. Auch das gehört zur Kunst, wenn sie vom Menschsein erzählt, “von der Geburt bis zum Tod”, manchmal mahnend und anklagend.

Ich bin gespannt auf unseren Talk, auf die Auszüge aus Sabines Buch und ihren Recherchen. Bis heute Abend, ab 18:00 Uhr, (Talk ab ca. 19:00 Uhr) UPSTAIRS mit Blick auf Planten un Blomen und die Laeiszhalle. Johannes-Brahms-Platz Nr.9.