Geschwind möchte ich etwas mit Euch teilen, nicht mehr als eine Fußnote zum Sonntag und doch von höchstem Genuss. Erneut hatte Nils Haupt in seinen Salon eingeladen. Ein Valentine’s Event mit Davide de Ascaniis, Violinist von Weltniveau, und seiner Schwester, der Pianistin Sara de Ascaniis. Wie immer bin ich für unvorbereitet, einzig die Uhrzeit im Kopf eile ich in meinem Alltagslook von Faltenrock, dickem Pullover und Boots Richtung St.Georg, zwischen Hauptbahnhof und Alster. Der Seidenschal mit den Pilzen muss es rausreißen, umrahmt schmeichelnd mein Gesicht.

Der Gastgeber empfängt mich in Hauslatschen, Jeans und Schlabberpullover. Niemand hat sich besonders fein gemacht, es ist zuhause und zu Besuch sind die Musiker-Freunde, die er schon seit vielen Jahren aus New York kennt. Für ihn scheint es eine bewusste Geste von Vertrautheit zu sein.

Ich nehme mir den Stuhl in der ersten Reihe, neben mir eine Violinistin, die zugleich Professorin für Pharmazie ist, irgendwo weiter hinten eine Freundin, ein paar vertraute Gesichter, aber mir ist nicht nicht Unterhaltung. Still beobachte ich die Ankommenden. Und dann beginnt die Musik mit einer Klangfülle, einer Macht von zarten und gewaltigen Passagen, Instrument und Spieler verschmelzen zu Erzählern von beinahe biblischem Ausmaß.

Am Klavier die Schwester. Sie nimmt sich zurück, sie horcht auf den Bruder, reagiert, ist mit ihm eins und entfernt sich in ihre eigene musikalische Erwiderung. In mir pures Staunen, das Gesicht von Davide wie eine Ikone.

Wie leichtfüßig er Paganini (1782 – 1840) spielt, frech, herrisch und zugleich hingebungsvoll. Dazwischen erklärt er begeistert Ausschnitte aus dem Werk des großen italienischen Virtuosen und Komponisten.

Das Publikum applaudiert, und noch ein Stück, das nicht mehr als wenige Minuten dauern soll, so Davide. Unsere Aufmerksamkeit kann die Spannung nicht endlos halten. Und ich habe das Gefühl hier in der ersten Reihe, vis-à-vis dem Hausherrn in weißen Socken und Gummi-Latschen, als würde der junge Künstler allein für mich spielen.

In meinem Schal hängt noch der Duft von den gestrigen Abend. Euch einen schönen Sonntag.