Eingerahmt steht sie zwischen uns, Christine Brandi, Künstlerin und Designerin, die Grenzen sind fließend. Sie liebt beides, den Spaß, Dinge zu erschaffen, die eine Funktion haben, ein Sofa, ein Sessel, ein Lichtobjekt…, sowie die Freiheit der Kunst, die keinen Zweck erfüllt, einfach nur da ist und alles an Sinneserfahrung einfängt.

Fuga, Lichtobjekt, Auflage 25 Exemplare aus gebügeltem Mais , € 1.400

“Fuga” heißt dieses Lichtobjekt aus getrockneten und gebügelten Maisblättern, die Christine in Bündeln auf den Märkten in Mexiko-City erstand. “Fuga” gleich: italienisch für das “Entweichen”, das “Ausströmen” oder gar für die “Flucht”. Schon tauchen wir ein in die zarte, empfindsame Welt der Christine Brandi.

Sie wechselte von ihrem Kunststudium in Hamburg nach Mailand an die Akademie, wo sie ein eigenes Atelier besaß mit Schweißwerkzeugen für große Objekte. Schwer vorstellbar für dieses zierliche Person, aber ich kenne sie, wie sie in der Milchstrasse 11 mit ihrer riesigen Lichtskulptur reinkam, um sie eigenhändig oben auf der Leiter zu installieren. Die Stillen werden oft in ihrer Kraft unterschätzt.

Und so lauschen wir ihr und stellen Fragen. Die italienische Arte Povera hat sie beeinflusst mit den gefundenen Naturmaterialien eines Mario Merz oder Jannis Kounellis. Ihre Schilderung ist ruhig und präzise, manchmal auch tastend, so als möchte sie ganz genau erzählen, was doch so viele verästelte Erzählstränge besitzt. Als Künstlerin läuft alles durch sie hindurch, der Lärm der Straße, die Hektik der Großstadt, das Frausein, die Dunkelheit und das grelle Licht.

Ein wenig muss ich Schmunzeln, während ich schreibe, Christine hatte mich vor dem Gespräch gebeten, nicht zu viel zu reden, sonst würde für sie nicht genügend Raum bleiben. Keine Angst, ich weiß auch zu Schweigen, besonders, wenn jemand so eindringlich berichten kann.

Weiter ging es für sie von Mailand nach Innsbruck mit Bühnenbildern, und wieder ist es das Licht, das sie studiert, das sie fesselt, das schummrige, das halbdunkle, das gleißende, das Licht, wie es Stimmungen schafft und Stimmungen durchbricht.

Ortswechsel. Zurück nach Hamburg. Hinter ihr liegen Ausstellungen und Erwähnungen in den einschlägigen Magazinen für Kunst und Architektur. Im Restaurant Nil hier um der Ecke hängt ein riesiges Leuchtobjekt, bestimmt den Innenraum mit seinen fünfziger Jahre Elementen.

Detail aus “Speranza”, Lichtobjekt, Auflage 20 (€ 2.800)

Eine Weile wird sie noch bei den Mais-Objekt-Editionen bleiben, entstanden aus dem Rückzug und der Konzentration. Aber wer weiß, vielleicht locken wir sie gemeinsam heraus für neue Herausforderungen. Sie hat immer schon bewiesen, dass sie groß und klein kann. In Beidem zeigt sich die DNA dieser Künstler-Designerin, die an dem gestrigen Abend so wohltuend im Mittelpunkt stand.

Nächsten IT’A DIENSTAG bin ich dann an der Reihe mit der Kultugeschichte des Schuhes und den Schuhen von Taglia Scarpe. Wie hieß das Buch noch gleich? “Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen”. Finden wir raus, was an den Märchen wahr ist. 6.12.2022, ab ca. 17:30 – 20:00 Uhr.

Und da heute der letzte Tag im November ist (dacht, man könnte schon jetzt ein Adventstürchen öffnen), gibt es ein besonderes Angebot für Euch BlogleserInnen: die zwei letzten Fellwesten mit Muschel-Futter in dunkelblau. Nur heute für den Preis von € 400 (statt € 498).